Wie Sie mit Ihrem Eigenheim Ihre Rente aufbessern
Eigentlich ist es paradox. Viele Rentner sind reich, weil sie ein Eigenheim besitzen, müssen sich aber finanziell einschränken, weil ihre Rente kaum für die steigenden Lebenshaltungskosten reicht. Gibt es eine Lösung, um die Rente aufzubessern, ohne das geliebte Heim verkaufen zu müssen?
(rh) Herr und Frau Schweizer werden immer älter. Und reicher. Zumindest auf dem Papier: Immer mehr pensionierte Schweizerinnen und Schweizer besitzen zwar wertvolle Immobilien, die sie fast oder sogar ganz abbezahlt haben, können aber von ihrer AHV- und BVG-Rente mehr schlecht als recht leben. Wenn sie bei Banken vorsprechen und ihre Hypotheken aufstocken wollen, winken die in der Regel ab, weil die Einkünfte der klassischen Tragbarkeitsrechnung nicht genügen. Hypothekarzinsen, Amortisationen und Unterhaltskosten dürfen höchstens einen Drittel der Einkünfte ausmachen.Die Tragbarkeit ist für Rentner ein Problem
Gerechnet wird mit einem Hypothekarzins von 5 Prozent, um auf Nummer sicher zu gehen, und Unterhaltskosten von 1 Prozent des Verkehrswertes. Beispiel: Das Ehepaar Reinhardt besitzt ein Einfamilienhaus mit einem Verkehrswert von 800’000 Franken und hat die Hypothek abbezahlt. Jetzt wollen Regina und Robert, beide 70, ihre Hypothek wieder auf 400'000 Franken aufstocken. Dafür braucht das Ehepaar Einkünfte von 84'000 Franken im Jahr (siehe Tragbarkeitsrechnung) oder 7'000 Franken im Monat, ohne Amortisation – mehr, als die meisten Rentner zur Verfügung haben.
Doch es gibt eine Alternative, die sogenannte Immobilienrente (oder Umkehrhypothek oder Reverse Mortgage, wie sie im angelsächsischen Raum heisst, wo sie weit verbreitet ist). Die Hypothek auf das fast oder ganz abbezahlte Eigenheim wird erneut aufgestockt. Mit dem neuen Kapital werden alle Hypothekarzinsen für die nächsten 10 bis 15 Jahre im Voraus bezahlt, mit dem restlichen Kapital die Lebenshaltungskosten. Beispiel: Regina und Robert Reinhardt nehmen wieder eine Hypothek über 400'000 Franken mit einer festen Laufzeit von 15 Jahren auf, die mit 2,5 Prozent verzinst wird.
Ein Teil für die Zinsen, ein Teil für das Leben
Reinhardts zahlen sofort 150'000 Franken Hypothekarzinsen für die ganze Laufzeit (siehe Rentenverbesserung) und erhalten 250'000 Franken Kapital ausbezahlt. So bessern sie ihre Rente um 1'400 Franken im Monat plus Zinsertrag auf. Allerdings sollten sie daran denken, Geld für die Unterhaltskosten auf die hohe Kante zu legen. Mit 85, wenn die Hypothek ausläuft, können die Reinhardts weiterhin in ihrem Haus wohnen. Sobald sie wissen, dass sie bleiben werden, ist es sinnvoll, eine Langlebigkeitsversicherung abzuschliessen, um den Ausfall der Rentenverbesserung zu kompensieren.
In der Schweiz bieten erst einige wenige Institute Immobilienrenten an, unter anderem HEV Schweiz, Raiffeisen und VZ VermögensZentrum. Wichtig ist auf alle Fälle eine professionelle und ganzheitliche Beratung, weil unterschiedliche Aspekte (Hypothek, Zinsen und Langlebigkeit) beachtet werden müssen. Ausserdem sind die Ansprüche der Institute hoch: Das Eigenheim sollte einen Verkehrswert von mindestens 800'000 bis 1 Million Franken haben, höchstens mit 20 Prozent belehnt sein, nicht mehr als mit 50 bis 60 Prozent belehnt werden und gut unterhalten sein.
Tragbarkeitsrechnung
Verkehrswert 800'000 Franken
Hypothek 400'000 Franken
Hypothekarzinsen (5 Prozent von 400'000 Franken) 20'000 Franken
Unterhalt (1 Prozent von 800'000 Franken) 8'000 Franken
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jährliche Kosten = 1/3 der jährlichen Einkünfte 28'000 Franken
notwendige Einkünfte im Jahr 84'000 Franken
notwendige Einkünfte im Monat 7'000 Franken
Rentenverbesserung
Verkehrswert 800'000 Franken
Hypothek 400'000 Franken
Hypothekarzins 2,5 Prozent fest
Hypothek 400'000 Franken
Hypothekarzins für 15 Jahre - 150'000 Franken
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Kapital für Rentenaufbesserung 250'000 Franken
Rentenaufbesserung im Jahr 16'667 Franken
Rentenaufbesserung im Monat 1'389 Franken
Text: hausinfo
Bild: ImagePoint (ra k)
Letzte Aktualisierung:
06.04.2011

