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Schrille Papageienfarben

Helikonien oder Hummerscheren sind vor allem in den amerikanischen Tropen heimisch. Bei uns sind die prachtvollen Zierpflanzen als Schnittblumen beliebt. Lassen Sie sich von den aussergewöhnlichen Blütenständen und knalligen Farben in eine exotische Welt entführen.

Geschnäbelte Helikonie (Heliconia rostrata): Diese Staude kann bis 6,5 m hoch werden, der Blütenstand bis 35 wechselständige Brakteen aufweisen.In einer Lodge in Costa Rica lebt man in einer anderen Welt. Wer am Morgen auf den Balkon geht, hört nicht auf einem Apfel- oder Zwetschgenbaum die Amseln pfeifen, sondern sieht riesige Blätter, die an langen Stielen aus dem Boden wachsen. Zwischen diesen imposanten Blättern, die wie bei den Bananen oft vom Wind eingerissen sind, leuchten knallrote bizarre Blütenstände, die eifrig von Kolibris besucht werden. Die intensiv rot oder gelb gefärbten, kahnförmigen Brakteen (Tragblätter) sind typisch für Vogelblumen, sie locken die Bestäuber an.
Die grösste Artenvielfalt an Heliconia-Stauden ist in den tropischen Tiefland- und Bergregenwäldern Mittel- und Südamerikas bis etwa 1'500 m ü. M. zu finden. Viele Arten bevorzugen Lichtungen in Sekundärwäldern oder wachsen entlang von Flüssen, auch an Strassenrändern oder als Zierpflanzen in Gärten. Die ausdauernden Stauden mit kräftigen Rhizomen erreichen eine Höhe zwischen 1 und 7 m. Wie bei Bananen wird der Scheinstamm aus den Blattscheiden und Stielen der Blätter gebildet und wird von den Blütenständen durchwachsen. Je nach Art stehen diese aufrecht oder präsentieren sich überhängend.

Brakteenspiralen
Die blütentragenden Hochblätter, die sogenannten Brakteen, sind zweizeilig angeordnet, oder durch eine Verdrehung der Achse kommt eine spiralige Stellung zustande. In den Achseln dieser Blattorgane sitzen die eigentlichen nektarreichen Blüten, die sich farblich meistens von den Tragblättern abheben. Sie öffnen sich nacheinander und werden von den Kolibris bestäubt. Die Blüten besitzen jeweils fünf fruchtbare Staubblätter; der unterständige Fruchtknoten reift zu einer leuchtend blau gefärbten Kapsel heran, die in drei einsamige Teilfrüchte zerfällt und sich so von den vielsamigen Beerenfrüchten der Bananen unterscheidet. Der Same wird von Vögeln und Säugetieren ausgebreitet. Hinsichtlich der Bestäubungsbiologie zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den neu- und den wenigen altweltlichen Arten. Für die in Westindien, Java oder Papua-Neuguinea beheimateten Helikonien kommen nicht Kolibris, sondern Fledermäuse als Bestäuber in Frage.
Bei aufrechten Blütenständen wie Heliconia wagneriana sind die farbigen Tragblätter häufig mit Wasser gefüllt. Dieses kleine Ökosystem nutzen viele Insekten und Amphibien als Brutstätte und als Lebensraum.

Zum Servieren von Speisen
Die Blätter von Heliconia farinosa oder Heliconia bihai dienen auch zum Einwickeln von Speisen und Lebensmitteln. Noch heute werden in Mittel- und Südamerika die sogenannten «Tamales», die aus Schweinefleisch, Gemüse und Reis zubereitet werden, in Helikonienblättern gegart und serviert.

Exotische Schnittblume
Helikonien, Zieringwer und Alpinia werden in Costa Rica für Schnittblumen kultiviert. Die Heliconia-Blütenstände sind lange haltbar, da sie wegen der wachsigen, festen Brakteen nur sehr langsam verwelken. Vor dem Versand werden die eigentlichen Blüten entfernt. Die Blumenbörse Zürich hat Heliconias das ganze Jahr im Angebot. Begehrt sind sie natürlich vor allem nach der Saison der einheimischen Schnittblumen.

Ingwerverwandtschaft
Helikonien (Heliconiaceae) sind eng verwandt mit den Bananengewächsen (Musaceae), Strelitzien (Strelitziaceae), Blumenrohrgewächsen (Cannaceae), Marantaceae, Costaceae, Lowiaceae und Zingiberaceae. Alle gehören zur Ordnung der Ingwergewächse (Zingiberales). Die eigenständige Familie der Helikoniengewächse hat nur eine Gattung, die Heliconia, welche jedoch ungefähr 250 Arten zählt. Sie ist nach dem griechischen Berg Helicon benannt, der in der griechischen Mythologie der Wohnort der Musen ist, der griechischen Göttinnen der Künste. 


Text und Bild: Zeitschrift «Schweizer Garten»
«Schweizer Garten»

Letzte Aktualisierung: 16.02.2012