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Mehr als nur grüner Kopfschmuck
Die Begrünung ist auf vielen Flachdächern Pflicht. Richtig gemacht sparen Hausbesitzer Energie und Geld. Und schaffen wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

(knü) Knabenkraut, Natternkopf und Hundskamille gehören zu den bedrohten Wildblumenarten: In der freien Natur sind sie schwer zu finden. Doch die seltene Pflanzenwelt ist auch anderswo heimisch geworden: auf den
Dächern von Wohnhäusern und Geschäftsbauten. Die wissenschaftliche Erkundung von begrünten Dächern brachte diese neue Erkenntnis. Auf einzelnen Standorten können bis zu 100 Pflanzenarten heimisch werden, und auch für Insekten, Käfer und Vögel entwickeln sich im «Obergeschoss» einzigartige Lebensräume. Die Hochschule Wädenswil beobachtet seit kurzem, wie sich insbesondere der Kiebitz statt auf blumenreichen Wiesen auf begrünten Dächern wohl zu fühlen beginnt.
Substratschicht entscheidet Die Fachleute wurden bei ihren Studien aber auch unangenehm überrascht: Eine grosse Zahl der an sich begrünten Dächer ist kahl und schafft weder für die Natur noch für den Hausbesitzer zusätzlichen Wert. «Der häufigste Mangel ist eine ungenügend tiefe Substratschicht», hat Stephan Brenneisen, Leiter Fachstelle Dachbegrünung an der Wädenswiler Hochschule bemerkt. So können ausser Moosen und dem Mauerpfeffer (Sedum) weder Blumen noch Gräser ihre Wurzeln schlagen. Obwohl die meisten Dächer aus statischen Gründen nur extensiv begrünt werden, muss der geschüttete Boden zwischen 10 und 15 Zentimeter tief sein. Der Schweizerische Fachverein für Gebäudebegrünung hat neuerdings Richtlinien und ein eigenes Label für Lieferanten und Unternehmer erarbeitet, um die Qualität des Gründachs sicherzustellen.
- Denn so soll es nicht nur in den Lehrbüchern, sondern auch in der Praxis unter einem begrünten Dach aussehen:
- eine 10 bis 15 cm dicke nährstoffarme Substratschicht (Mergel und Wandkies, aber kaum Humus);
- Filter- und Drainageschicht: Ein Kunststoffvlies deckt geschüttetes Material bzw. poröse Kunststoffmatten ab: Pflanzen dürfen bis hierhin Wurzeln schlagen;
- Wurzelschutzschicht: Polymerbitumendachbahnen (Dichtungsbahnen mit integriertem Wurzelschutz) schützen das darunter liegende Dach vor dem Einwachsen von Wurzeln. Auf die Gefahr von Beschädigungen beim Einbau ist besonders zu achten.
Bei Flachdächern ist auf ein Gefälle ab 2 bis 15 Grad zu achten, damit Regenwasser abfliessen kann. Stärker geneigte Dächer benötigen zudem Schwellen, um ein Abrutschen des Materials zu verhindern.
Zusätzliche Dämmschicht
Ein mustergültig begrüntes Dach kann mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen: Ökologisch und gestalterisch erhält die Natur freien Raum zurück. Für die Ansaat werden Arten aus der einheimischen Vegetation (Kräuter etc.) empfohlen; allenfalls kann der Samenflug aus der Umgebung berücksichtigt werden. Zudem puffert ein begrüntes Dach den Regenwasserabfluss. Aber auch für den Energiehaushalt eines Gebäudes ist das Pflanzendach wertvoll: Die Substratschicht dämmt zusätzlich, im Winter gegen den Wärmeabfluss von innen nach aussen und im Sommer gegen den Wärmeeintrag von aussen nach innen.
Vorschriften und Förderung
Begrünte Dächer helfen somit aktiv Energie sparen. In den Städten Luzern und Basel werden entsprechende Massnahmen auch finanziell gefördert. Andernorts, etwa in der Stadt Zürich, hat die Pflicht zum begrünten Flachdach Eingang in die Bauordnung gefunden. Das lässt sich auch mit den höheren Investitionskosten in Einklang bringen: Lebenszyklusrechnungen zwischen Kies- und Gründächern zeigen einen finanziellen Vorteil zugunsten der natürlichen Variante. Aus einem einfachen Grund: Begrünte Dächer leben doppelt so lang und müssen in dieser Zeit nicht einmal aufwendig gepflegt werden. Zwei Kontrollgänge im Jahr genügen, um den Einwuchs von Weiden- und Ahornsträuchern oder Löwenzahn zu unterbinden. Denn zumindest auf den Hausdächern dürfen Orchideen und andere schützenswerte Pflanzen gegenüber dem Unkraut den Vorzug erhalten.
Text: hausinfo
Bild: ImagePoint (Meta+Rafael)

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Letzte Aktualisierung:
22.12.2011