Das Gebäude der Zukunft bekommt ein neues Gesicht. Ab 2011 soll das Minergie-A-Zertifikat zum Premium-Standard für energieeffiziente und klimafreundliche Wohnhäuser werden.

(knü) Die Neuigkeit ist lange vor der ersten Ankündigung durchgesickert. Inzwischen ist es offiziell und bereits ist eine öffentliche Vernehmlassung durchgeführt worden. Der beliebte Gebäudestandard
Minergie wird erweitert. Ab Mitte 2011 sollen Minergie-Wohnhäuser mit dem Zusatz «A» ausgezeichnet werden können, die sowohl Energie sparen als auch erneuerbare Energien nutzen. Minergie-A ist gemäss Armin Binz, Leiter der Minergie-Agentur Bau, als «High-End-Standard» konzipiert, der die bisherigen Erkenntnisse aus dem Bau energieeffizienter Gebäude um den Aspekt der klimaverträglichen, dezentralen Energieversorgung ergänzen soll. Insofern geht es weniger darum, den Minergie-Anteil am Immobilienmarkt näher an die 20-Prozent-Marke zu führen, als das Label fit für die nachhaltige Zukunft zu machen: «Ein Minergie-A-Gebäude wird dem energieeffizienten Bauen der neuesten Generation entsprechen», ist Minergie-Vertreter Binz überzeugt.
Ergänzung zum Energie sparen
Der neue Standard Minergie-A baut auf den bisherigen Errungenschaften auf. Energieeffizienz und Dämmstandard bleiben die primären Qualitätsfaktoren. Für den Zusatz «A» werden jedoch auch die CO
2-freie Wärmeversorgung, der
Stromverbrauch bereits in der
Planungsphase eines Neubaus bilanziert. Damit soll sichergestellt sein, dass der geringe Wärmebedarf - für das Beheizen und die Warmwassererzeugung – möglichst durch lokale erneuerbare Energieträger abgedeckt werden soll. Als einfache Varianten, um diese neuen Vorgaben zu erfüllen, wurden im Vernehmlassungsverfahren Wärme und Strom aus Sonnenenergie sowie
Holzfeuerungen erwähnt. In beiden Fällen wird zum einen der Treibhauseffekt gegenüber konventionellen
Heizsystemen verringert und zum anderen werden sich die Häuser dadurch weitgehend selber mit klimafreundlicher Energie versorgen. Das neue Baukonzept lässt sich daher am ehesten mit heutigen Plusenergiehäusern vergleichen. «Ein Plusenergiehaus ist grundsätzlich nach Minergie-A zertifizierbar», bestätigt Armin Binz. Im Detail sind jedoch weitere Kriterien zu erfüllen: Die Grundanforderungen für das sparsame
Minergie-P-Label gelten auch für den Zusatz «A». Und die selber produzierte Energiemenge wird nur zum Teil anerkannt.
Anknüpfen an Plusenergiehäuser
Für das Minergie-A-Label braucht es daher keinen Technopark: Die anrechenbaren Flächen, um mit
Sonnenkollektoren Wärme zu erzeugen respektive aus
Solarzellen Strom zu liefern, sind nämlich beschränkt. Vielmehr geht das darum, die Plusenergiebilanz auf einem energetisch überdurchschnittlichen Haus mit möglichst effizienten technischen Mitteln zu erreichen. «Denn das «A» steht auch für möglichst wenig graue Energie», führt Armin Binz, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz weiter aus. Minergie-A-Gebäude haben über den Betrieb hinaus auch bei der Erstellung, im Unterhalt und Rückbau den Energieeinsatz zu verringern und die
Ressourcen zu schonen. Die entsprechenden Bewertungstools sollen dafür der Zertifizierung zum
Minergie-Eco-Standard entnommen werden.
Noch sparsamer als bisher soll das Minergie-A-Haus auch in punkto Stromverbrauch ein: Neu soll der im Voraus abschätzbare Wert erstmals Eingang in die Bewertung des Gesamtenergiebedarfs finden. Und in einem nächsten Schritt werden Vorgaben zu erfüllen sein, die die sparsame Beleuchtung und energieeffiziente Haushaltgeräte eindeutig bevorzugen dürften.
Eingeführt werden soll das Label Minergie-A im Frühling 2011. Einige Detailfragen sind noch offen, so dass die Antworten auf die öffentliche Vernehmlassung in diesem Herbst durchaus willkommen sein dürften.
Text: hausinfo
Bild: ImagePoint (Peter Kolb)