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Solartonziegel

Ein Ziegel mit integrierter Solaranlage verbindet erstmals Energieeffizienz mit Ästhetik. Das neue System ist aber mehr als bloss schön.

Der neue Solartonziegel der Firma Panotron sieht fast gleich aus wie ein herkömmlicher Ziegel.(mei) Der neue Solartonziegel sieht fast gleich aus wie ein herkömmlicher Ziegel. Einzig das auf den Ziegel geklickte Solarmodul weist darauf hin, dass mit diesem Dach Warmwasser aufbereitet und Strom erzeugt werden. Sowohl die Tonziegel als auch die Solarzellen sind in unterschiedlichen Farben erhältlich und können deshalb in ihrer Optik einfach aneinander angepasst werden. Und weil sich der neue Ziegel auch in seiner Grösse nicht von anderen Ziegeln unterscheidet, lässt er sich im Gegensatz zu herkömmlichen Kollektoren flexibel einsetzen, so dass das ganze Dach zur Energiegewinnung genutzt werden kann.

Sowohl die Tonziegel als auch die Solarzellen sind in unterschiedlichen Farben erhältlich und könnten deshalb in ihrer Optik einfach aneinander angepasst werden.Entwickelt wurde der Solartonziegel vom Kirchberger Unternehmen Panotron mit Ziegeln der Ziegelei Rapperswil. «Nach einem halben Jahr Tüfteln waren wir soweit, dass wir ein weltweites Patent anmelden konnten», erklärt Martin Bieri, CTO der Panotron und Erfinder des Systems. Die Panotron will das Solarenergiesystem, das derzeit erst als Prototyp existiert, im Herbst dieses Jahres lancieren. Dann stehen auch die Preise des neuen Solarenergiesystems fest. Klar ist jedoch schon jetzt, dass die Neuheit im mittleren bis oberen Preissegment angesiedelt wird und im Vergleich zu anderen Hybridsystemen konkurrenzfähig sein muss. 

Martin Bieri, CTO der Panotron, erklärt die Funktionsweise des neuen Solarenergiesystems. Funktionsweise

Die Ziegel erwärmen sich aufgrund der Sonneneinstrahlung. Diese Wärme geben sie an die horizontalen Aludachlatten ab, die sich unter ihnen befinden und von einem Wasserglykolgemisch durchströmt werden. Die aufgewärmte Flüssigkeit wird einem Warmwasserspeicher zugeführt. Das Solarenergiesystem zwischen dem Unterdach und den Dachziegeln transportiert jedoch nicht nur Wasser, sondern auch den Strom, der von den Solarmodulen auf den Ziegeln erzeugt wird.

Das Solarmodul kann einfach auf den Ziegel gesteckt werden.Energie für den Eigenbedarf

Die Leistung pro Quadratmeter Dachfläche bzw. 12 Solarziegeln besteht aus max. 72 Watt elektrischer Energie und max. 200 Watt thermischer Energie. In Zukunft könnte sie sich laut Bieri weiter verstärken: «Unser Solarenergiesystem ist von der Art des Solarenergiemoduls unabhängig. Dieses kann deshalb mit jeder Solarzellentechnologie ausgerüstet werden». Wie viel Energie das Solarenergiesystem tatsächlich produziert, hängt allerdings von der Menge der Sonneneinstrahlung ab. «Bei einer anhaltenden Schlechtwetterperiode ist das gespeicherte Warmwasser irgendwann aufgebraucht. Bei schönem Wetter und Aussentemperaturen von null Grad Celsius kann unser Hybridsystem hingegen mittels Strom Warmwasser erwärmen», meint Bieri. Im Gegensatz zum Warmwasser wird Strom nicht gespeichert, sondern ins Versorgungsnetz eingespiesen und bei Bedarf wieder bezogen. Hier reicht die produzierte Menge, um den ganzen Eigenbedarf zu decken. «Wir wollen mit dem Solarenergiesystem allerdings kein Kleinkraftwerk schaffen», hält Bieri fest. Ökonomisch wäre dies auch wenig rentabel: Energieunternehmen müssen gemäss Rücknahmeverpflichtung Strom zwar aufnehmen, doch zu einem tieferen Preis als beispielsweise für den Bezug von Solarstrom verrechnet wird, wie Sebastian Vogler, stv. Leiter Medienkommunikation der BKW FMB Energie in Bern, festhält. Und wer sich für ein Solarenergie-Projekt bei der Swissgrid um eine kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) bemüht, muss mehrere Jahre warten, da die Mittel für die kommenden Jahre bereits ausgeschöpft sind. Panotron bemüht sich deshalb um eine Abmachung mit Energieunternehmen, die eine einfachere und günstigere Handhabung ermöglicht.

Die Solarmodule können so angesteuert werden, dass sie automatisch aufleuchten, wenn sie einwandfrei funktionieren.Sicherheit

Beim neuen Solarenergiesystem wird Sicherheit gross geschrieben. Weil es als Parallelsystem konzipiert ist, beträgt die Spannung nie mehr als 48 Volt. Die Solartonziegel sind begehbar. «Einzigartig ist auch die mögliche Trennung des Solarmoduls vom Strom, was Arbeiten auf dem Dach viel einfacher macht», so Bieri. Punkto Hagelschutz entsprechen sie den europäischen Normen und müssen deshalb in der Schweiz nicht nochmals geprüft werden, sofern die vorhandene Prüfung die lokalen Gegebenheiten abdeckt, wie Martin Jordi von der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) mitteilt. Zudem lassen sich die Solarmodule für einen Check im Schadensfall so ansteuern, dass sie automatisch aufleuchten, wenn sie einwandfrei funktionieren. Ein fehlerhaftes Modul kann so schnell erkannt und dank Stecksystem, das auf Verschraubungen verzichtet, einfach ausgewechselt werden.


Text und Bilder: hausinfo


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Letzte Aktualisierung: 16.05.2012