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«Bargeld sollte nicht versteckt werden»

Bei einem Einbruch gilt es, möglichst viel Lärm zu machen und auf keinen Fall den Helden zu spielen, sagt Markus Stauffer von der Kantonspolizei Bern. Im Interview verrät er, wie sich ein Einbruch am besten vermeiden lässt.
  
Markus Stauffer, Dienstchef der Sicherheitsberatung der Kantonspolizei BernWann haben Einbrecher Hochsaison?
Übers Jahr gesehen finden sich kaum mehr Unterschiede. Von den Tageszeiten her bevorzugen Einbrecher den frühen bis späteren Nachmittag, d.h. die Zeit von 14 bis 17 Uhr – falls dann die Bewohner nicht zuhause sind. Um dies festzustellen, kundschaften Einbrecher das Objekt vorgängig aus. In Einfamilienhäuser brechen Banden allerdings auch in Einzelfällen nachts ein: Während die Leute im Obergeschoss schlafen, findet im Parterre der Einbruch statt.


Wer sind diese Einbrecher?
Am häufigsten ist die organisierte Bandenkriminalität. Diese Banden kommen von Osteuropa, Russland und Frankreich her. Ihre Aktivitäten finden in wellenartigen Bewegungen in verschiedenen Gemeinden statt, was kurzfristig sehr hohe Einbruchszahlen verursacht. Obwohl alle Regionen betroffen sein können und wir auch schon in sehr abgelegenen Gemeinden eine solche Welle hatten, brechen Banden vorwiegend in einem Gebiet links und rechts der Autobahnachsen ein. Das bietet ihnen sehr gute Fluchtmöglichkeiten, so dass sie innert weniger Stunden bereits wieder ausser Landes sind. Deshalb dauert es meist auch lange, bis sie überführt werden können. Beschaffungskriminalität hingegen ist zwar auch keine schöne Sache, aber von der Täterermittlung her sehr viel einfacher.
 
Welches sind die bevorzugten Einstiegsstellen?
Einbrecher gelangen über alle Schwachstellen wie Eingangstüren, Balkon- oder Sitzplatztüren sowie Fenster im Parterre, aber auch nicht gesicherte Kellerfenster und Lichtschächte ins Haus. Um diese zu öffnen, benötigt ein Einbrecher gerade mal 20 Sekunden. Aus diesem Grund ist eine gute baulich-mechanische Sicherung so wichtig. Es ist belegt, dass Einbrecher, wenn sie nicht schnell einsteigen können, vom Objekt ablassen.
 
Wie sieht ein solcher Schutz aus?

Im privaten Wohnbereich braucht es Türen und Fenster, die mit Widerstandsklasse 2 oder sogar 3 zertifiziert sind, wobei die Klasse 2 mit ihrer Mehrpunkteverriegelung schon einen sehr guten Schutz darstellt. Am günstigsten ist es, bereits bei einem Neubau auf einbruchsichere Türen und Fenster zu achten, aber auch Nachrüstungen sind möglich. Eigentümer und Mieter können uns gerne für eine kostenlose, neutrale Beratung vor Ort kontaktieren. Wir besprechen mit ihnen, was sie unbedingt geschützt haben wollen und welches Risiko sie in Kauf zu nehmen gewillt sind – denn ein Restrisiko bleibt immer. Danach entscheiden sie selbst, was sie investieren wollen.


Reicht ein guter Schutz im Parterre?
Das kommt ganz auf das Objekt an. Bei Einfamilienhäusern muss man die oberen Stockwerke oft nicht speziell absichern, es sei denn, man kann mit Aufstiegshilfen oder ein Vordacht leicht nach oben gelangen. Bei denkmalgeschützten Objekten ist die Ausgangslage wiederum anders, hier ist eine Nachrüstung oftmals nicht gestattet, so dass wir stattdessen Alarmanlagen empfehlen. In diesen Fällen arbeiten wir direkt mit dem Denkmalschützer zusammen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.
 
Tun Sie das nicht in jedem Fall?
Alarmanlagen verhindern keinen Einbruch, sondern zeigen nur eine Zustandsveränderung an. Der Alarm wird ja nur ausgelöst, wenn der Einbruch passiert. Deshalb sind Alarmanlagen nur bei gleichzeitig gutem baulichem Schutz sinnvoll. Wichtig ist, dass der Alarm auf eine rund um die Uhr besetzte Alarmzentrale losgeht und nicht etwa nur aufs Handy. Eher ungeeignet sind hingegen laute Alarme, denn die schrecken Profis in der Regel nicht ab.
 
Wie soll man sich verhalten, wenn man einen Einbruch bemerkt?

Am besten schliesst man sich ein, öffnet das Fenster und schreit so laut raus, wie es nur geht. Idealerweise befindet sich ein Handy in Griffnähe, so dass gleich die Polizei alarmiert werden kann. Es ist zudem vorteilhaft, bereits im Vorfeld ein eigenes Sicherheitskonzept aufzustellen, damit in der betreffenden Situation Klarheit darüber herrscht, wie man sich verhalten soll.


Man soll bei Geräuschen im Haus also nicht nachschauen gehen?
Auf keinen Fall! Der typische Einbrecher scheut zwar die Konfrontation mit den Bewohnern, doch mit der Öffnung der Grenzen hat sich die Qualität des Einbrechens verändert. Banden aus dem Osten haben viel weniger Hemmungen, Gewalt anzuwenden. Deshalb sollte man eine Konfrontation mit einem Einbrecher unbedingt vermeiden. Personenschutz kommt vor dem Wertschutz, denn die eigene Gesundheit ist wichtiger als jedes Gut. Wer stattdessen nachschaut, steht unter Umständen einem Täter gegenüber. Trägt der Bewohner erst noch eine Waffe auf sich, hat er ein riesiges Gefährdungspotenzial, denn sie kann ihm entwendet und gegen ihn gerichtet werden. Ein Schusswaffeneinsatz wäre überdies unverhältnismässig, ausser man wird selbst mit einer Waffe bedroht. Das kommt aber zum Glück nur selten vor.
 
Was empfehlen Sie, wenn der Einbruch in Abwesenheit geschehen ist?
In diesem Fall sollte man sofort oder vom Nachbar aus die Polizei anrufen und ja nicht ins Haus gehen und nachschauen, was denn gestohlen wurde, denn das erschwert oder verunmöglicht die Spurensicherung.
 
Wie lange dauert ein Einbruch?
2-3 Minuten pro Haus, fünf Minuten sind schon lang. Das heisst, bis die Polizei kommt, sind die Einbrecher möglicherweise längst fort.
 
Was wird am häufigsten entwendet?

Schmuck und Bargeld kommen am häufigsten weg, denn dies lässt sich schnell verwerten. Wir raten deshalb, so wenig Bargeld wie möglich daheim aufzubewahren – und wenn überhaupt, sollte dies offen getan werden, damit sich ein Sachschaden vermeiden lässt. Bargeld sollte nicht versteckt werden.


Warum nicht?
Einbrecher haben geschulte Augen und finden extrem schnell, was sie suchen, egal, ob sich das Bargeld unter der Matratze oder im Gefrierfach befindet. Treffen sie auf ein abgeschlossenes Behältnis, eine Geldkassette oder einen Tresor, konzentrieren sie sich sofort darauf. Besonders ungeeignet sind Tresore mit einem Schlüssel, denn dann suchen Einbrecher solange, bis sie den Schlüssel gefunden haben. Sie können sich vorstellen, wie so ein Haus danach aussieht. Gute Tresore verfügen über ein elektronisches Öffnungsmodul und sind mit einem Alarm gesichert, der bei einer Manipulation abgeht. Am sinnvollsten ist es, wenn der Alarm auf eine rund um die Uhr besetzte Alarmzentrale geschaltet ist. Werden die Besitzer gezwungen, den Tresor zu öffnen, können Sie einen Code eingeben, der einen stillen Alarm auslöst.
 
Welche speziellen Tipps haben Sie für die kommende Ferienzeit?
Die Person, die den Briefkasten leert, sollte auch für Bewegung im Haus sorgen – mal die Storen rauf- und runterlassen, Licht machen und den Parkplatz benutzen. Eine Lichtsteuerung über Zeitschaltuhren sollte auch im oberen Stockwerk in nicht einsehbaren Räumen stattfinden. Geschieht sie nur im Erdgeschoss, merkt der Einbrecher rasch, dass zwar das Licht angeht, aber niemand zu Hause ist.
 
Zur Person
Markus Stauffer ist Dienstchef der Sicherheitsberatung der Kantonspolizei Bern. Mit seinem Team berät er Wohneigentümer, Mieter und KMUs über wirksamen Einbruchschutz. Daneben führt die Sicherheitsberatung Schulungen über das Verhalten bei Drohungen und Geiselnahmen durch. Kerngeschäft der Sicherheitsberatung ist die integrale Sicherheit, d.h. alle Massnahmen rund um die persönliche Sicherheit.



Text: hausinfo
Bild: zvg


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Letzte Aktualisierung: 23.11.2011