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Kolumne «Glücklich wohnen»: Der fröhliche Wandcontainer

Spätestens nach dem Einmotten der Sommersachen ist man froh, dass es ihn gibt: Den Ministauraum für die Wand. Denn selbst wenn alles wintersicher weggepackt ist – Kleinigkeiten bleiben immer liegen. Dingelchen, die einen durch die kühler werdende Saison und oft sogar durch das ganze Jahr begleiten: Nasenspray, Taschentücher, ein paar Extraschlüssel, die man erst braucht, wenn man vergessen hat, wo man sie deponiert hat. Kaugummis, Anstecknadeln, Haarklammern oder eine Pillendose. Auch Telefonnummern, die viel zu schnell unter Zeitungen verschwinden, die Brillenkette, die man jetzt gern umhängen würde, oder eine Streichholschachtel für einen romantischen Abend mit Kerzen. Dafür, und genau dafür, ist der neu aufgelegte Uten.Silo gedacht. Damit die kleinen Nervereien, die Zeit raubenden Suchaktiönchen endlich aufhören.
Vielfältig und logisch angeordnet
Dieses farbenfrohe kleine Objekt mag manchen mit seinen rund drei- bis vierhundert Franken (je nach Grösse und Ausführung) vielleicht zu kostspielig vorkommen. Vor allem, wenn man es mit ähnlichen Massenartikeln vergleicht oder bedenkt, dass es eben nur Krimskrams enthält. Doch dem darf vehement widersprochen werden! Der Uten.Silo strahlt nämlich eine kindliche Fröhlichkeit und geometrische Präzision aus, die seinesgleichen sucht. Zudem ist die spielerische Vielfalt zwischen logischer Anordnung und humorvoller Gestaltung der einzelnen und unterschiedlich grossen Behälter, Haken und Klammern nicht nur praktisch – sie sitzt auch im Design. Vielleicht, und das ist die wundervolle Ironie dieser kleinen Geschichte, liegt das daran, dass die Ehefrau des renommierten Leuchtendesigners Ingo Maurer, Dorothee Becker, dieses Originalding 1969 eher zufällig entworfen hat. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie nie eine Ausbildung als Designerin oder als Künstlerin absolviert hat. Und vielleicht daran, dass die Gattin und Mutter instinktiv wusste, was man im Alltag braucht (ein Auge fürs Detail) und was viel zu rasch untergeht (ein kleines Lächeln). Jedenfalls ist Dorothee Becker mit ihrem originalen Uten.Silo – übrigens ihr einziger grosser Wurf – eine durch und durch alltagstaugliche Design-Ikone gelungen.
Das Prinzip des Kulturbeutels
Dabei wollte Dorothee Becker zunächst Spielzeug für ihre Kinder entwerfen, um ihnen ein Gefühl für Formen zu vermitteln. Die Kleinen zeigten sich zwar nicht interessiert, die Mutter hat diese Idee mit den geometrischen Bausteinen jedoch nicht mehr los gelassen. Dorothee Becker wollte mit der optischen Spielerei etwas Praktisches schaffen. Etwas in der Art eines Kulturbeutels, in dessen Taschen man Toilettenartikel verstauen kann. Etwas, bei dem man die Senkrechte quasi als Waagrechte nutzt. Und etwas, das sich überall anbringen lässt: Im Flur, in der Küche, im Bad oder im Kinderzimmer. Die Wiederauflage des Originals gibt es nun auch in der (mit rund tausend Franken tatsächlich sehr teuren) Chrom-Ausführung. Besonders schön bleibt aber weiterhin die weisse Variante!
von Delia Lenoir
Bilder: Andreas Sütterlin
Letzte Aktualisierung:
30.03.2011