«Glücklich wohnen»: Ein Salatbesteck, das Freude macht
Die warme Jahreszeit lockt einen ins Freie. Umso schöner, wenn man über ein Salatbesteck verfügt, das sich bei einer lauschigen Gartenparty so ansprechend präsentiert wie in der Küche. Dem britischen Designer und Architekten John Pawson ist mit seinem Salatbesteck wieder einmal, oder besser gesagt einmal mehr, ein wahrer Wurf gelungen. Nicht dass einen das überraschen müsste. John Pawson hat mit seinem Minimalismus in den Neunziger Jahren immerhin die Designwelt revolutioniert. Strenge Zurückhaltung ist ihm bis heute im Blut, wenn es um das Einrichten von Häusern und Apartments oder das Entwerfen von Stücken geht. Allerdings muss man unumwunden zugeben, dass seine Philosophie zeitlos bleibt. Dem Briten geht es in erster Linie nämlich nicht um die perfekte Form, um die sich seine Kunden später mehr oder weniger unfreiwillig herumweben müssen, sondern darum, die Form den jeweiligen Lebensbedürfnissen optimal anzupassen. Dass der Mensch dabei an erster Stelle kommt, ist bei der heutigen Flut von funktionsschwachem Design natürlich überaus angenehm. Wie ein Reislöffel
Und so ist auch das Design dieses ungewöhnlich schönen Salatbestecks nicht von ungefähr: Der Topdesigner hat sich dafür, wie er es gerne tut, in die Historie gekniet und in diesem Falle die unterschiedlichsten Archetypen ein bisschen verglichen, um herauszufinden, was es mit alten und ganz alten Löffeln aus Holz so auf sich hat. Gefunden hat er zum Beispiel einfache Paddel, mit denen vor Jahrhunderten gegessen wurde, aber auch den traditionellen japanischen shamoji, den Reislöffel. Tatsächlich lässt sich, was die Form seines Salatbesteckes anbelangt, eine gewisse Ähnlichkeit mit dem landläufigen Modell aus dem fernen Osten nicht leugnen. Nicht umsonst wird John Pawson nachgesagt, er arbeite gern authentisch.
Für dieses Salatbesteck, das übrigens keinen Namen trägt (was auch wieder typisch für den Minimalisten Pawson ist) wählte der Brite schwarzes Ebenholz, ein Material, das in der modernen Küche unauffällig auffällt, und zwar selbst dann, wenn man es gar nicht bemerkt. Es schwingt einfach irgendwie mit. Understatement, würden die Briten wohl dazu sagen. Aber man muss zugeben: Es funktioniert! Mehr noch. Die Form dieses Gebrauchsgegenstandes ist so sinnlich, das man vor Freude schon fast ein Rad schlagen möchte. Denn John Pawson hat bei diesem Besteck messerscharf die Beziehung zwischen Kurve und flacher Oberfläche freigelegt. Was er dabei entdeckt hat, ist in seinen Entwurf eingeflossen. Aus dieser zeitlosen Löffelform ist auf diese Art eine neue, eine mit beinahe grafischen Zügen geworden.
Fast für die Ewigkeit Ein so schöner Gegenstand ist natürlich nicht ganz umsonst. Doch wie bei manch anderen Dingen ist das ein Thema, das sich, wenn es um eben diesen Designer geht, erübrigt. Entweder man mag ihn und seine Entwürfe und greift dafür ein bisschen in die Tasche, oder man lässt es. Die Kehrseite bleibt dafür umso erfreulicher. Denn wenn man sich für so ein minimales Ding entscheidet, hält es buchstäblich fast ewig. Sie brauchen sich um ein unaufdringliches und zeitloses Salatbesteck also nie mehr Gedanken zu machen. Nein, sie können es einfach nur geniessen. Ist doch schön, oder etwa nicht?
von Delia Lenoir
Bilder: zvg
Letzte Aktualisierung:
02.02.2011

